Karin Rohner


Meine Berlin-Reisen oder
 "Abenteuer Berlin"

Geschichten, Bilder, Berlin-Ansichten

Abenteuer Berlin

Alle paar Jahre zieht es mich in unsere schöne Hauptstadt Berlin. Jedesmal ist es für mich ein Abenteuer. Es gibt wohl keinen Flecken in Deutschland, an dem ich mich so oft verlaufen habe wie in Berlin. Ich bin zwar gut im Kartenlesen. Doch nach meiner Erfahrung ist Berlin zu dicht besiedelt auf zu wenig Papier.
Als Mensch aus der Provinz gerate ich leicht in Panik, wenn ich nicht mehr weiß, wo es lang geht. Passanten zu fragen, das hat mich noch nie weiter gebracht. Ortsansässige scheinen sich nie in meiner Nähe aufzuhalten. Im Gegenteil, wenn ich da so stehe und ratlos um mich blicke, Stadtplan in der Hand, so werde ich gleich gefragt: "Entschuldigung, kennen Sie sich hier aus?"
Zum Glück habe ich mich bisher immer noch selber aus dem Knäuel Berlin befreien können.
Wenn ich Berlin verlasse, so schwöre ich mir jedesmal: "Nie wieder!" Doch dieser Vorsatz hält nicht lange vor. Irgendwann lande ich doch wieder im "Abenteuer Berlin".
Und von diesen Abenteuern möchte ich hier gern berichten.

Karin Rohner © 2014
Potzdamer-Platz, Sony-Center

Potsdamer Platz, Sony-Center
 - Karin Rohner ©
Berlin - der Anfang

Meine erste Reise nach Berlin werde ich nie vergessen. Meine Freundin Anita hatte mich eingeladen, über Ostern mit ihr von Lübeck nach Berlin zu ihren Eltern zu fahren. Wir machten die Reise per Bus. Am Grenzübergang Büchen wechselten wir in die "Ostzone". Eine echte Holperfahrt auf den alten Landstraßen Mecklenburgs und Brandenburgs. Eine Autobahn nach Berlin war noch nicht einmal geplant.
Auch die Berliner Mauer gab es noch nicht. Wir konnten nach Belieben zwischen Ost- und West-Berlin hin und her pendeln. Wir brauchten nur mit der S-Bahn bis zum Bahnhof Friedrichstraße zu fahren und konnten uns frei bewegen.
Meine Freundin erzählte mir, sie habe viel Zeit in Ost-Berlin verbracht, weil  dort alles billiger war. Sie ging dort zum Friseur oder zum Tanzen in die "Hasenheide".
Ich war sehr erstaunt, dass der Osten Berlins quasi noch in Trümmern lag. Am meisten beeindruckte es mich, als Anita mir erklärte, in dem zerbombten Gebäude, vor dem wir standen, sei sie getauft worden. Es handelte sich dabei um den Berliner Dom, die St. Hedwigskathedrale.

Als ich nach der Wiedervereinigung das erste Mal in Berlin weilte, suchte ich sofort nach dieser Kathedrale und freute mich, dass sie wieder aufgebaut wurde. Ich mache dort gern eine Pause, wenn ich in Berlin-Mitte bin. Ich fühle mich geborgen unter der frei schwebenden Kuppel. So ähnlich stelle ich mir den Petersdom in Rom vor. Nur ein bisschen größer.
Die St.Hedwigskathedrale ist für mich ein wunderschöner Ort, um zur Ruhe zu kommen, mitten im hektischen Berlin.

Karin Rohner © 2014
Berlin-Hedwigskathedrale

St. Hedwigskathedrale
 - Karin Rohner ©
Berlin

Im Frühling 1991 weilte ich zum ersten Mal nach der Wende in Berlin. Ich hatte mein Ticket bis zum Alexanderplatz gelöst und war sehr erstaunt, als am Funkturm alle Fahrgäste ausstiegen. Darum hatte ich einen ganzen Reisebus samt Fahrer für mich - für die Fahrt in den östlichen Teil der Hauptstadt.
Ich saß vorn neben dem Fahrer und wurde wie eine Königin die Straße des 17. Juni hinauf kutschiert.
Imposant und golden glänzend sah ich die Siegessäule vor mir, und als wir den Großen Stern hinter uns ließen, tauchte in der Ferne das Brandenburger Tor auf.
Zum ersten Mal betrachtete ich diese geschichtsträchtigen Baudenkmäler aus der Nähe, unbehelligt von irgendwelchen Passkontrollen.
Nie werde ich diese Fahrt vergessen.
Darum machte ich diese für mich so beeindruckende "Reise" noch einmal zu Fuß - im September 1999.
An einem kalten Sonntagmorgen ging ich ganz allein vom Bahnhof Zoo die Straße des 17. Juni hinauf. Die Bürgersteige und die Allee waren noch menschenleer.
Immer wieder drehte ich mich um und schaute zurück zum Bahnhof Zoo, weil ich das Gefühl hatte, der Weg vor mir würde immer länger. Irgendwann erreichte ich die Siegessäule und der Weg bis zum Brandenburger Tor erschien mir nur noch halb so lang.

Karin Rohner 
© 2007
Berlin-Quadriga auf dem Brandenburger Tor

Quadriga auf dem Brandenburger Tor
 - Karin Rohner ©
 Abenteuer Berlin 2007
 
Ja, Berlin ist auch eine Liebe von mir... ich weiß nur nicht,
ob Berlin diese Liebe erwidert...
ich fühle mich dort verraten und verkauft...
es ist, als stürzte ich mich freiwillig in einen Hexenkessel -
schwimmen kann ich da noch lange nicht... es kostet Kraft,
mich über Wasser zu halten...
doch es stärkt mein Selbstbewusstsein... ich komme
jedesmal erneuert zurück... Feuerprobe bestanden

Richtig wohl fühle ich mich in Berlin spätabends, wenn der
Trubel ausrollt... ganz allein auf den weiten Flächen
zwischen den alten Königsschlössern... ein paar
Licht-Installationen zwischen den Giebeln... mein abendlicher
Aufenthalt in der St.Hedwigskathedrale,
mit der mich eine innige Freundschaft aus Jugendtagen 
verbindet -
damals lag die Kathedrale noch in Schutt und Asche...

Karin Rohner
© 2007
Berlin-Bild

Ein Bild am Weg
 - Karin Rohner ©
  Wenn einer eine Reise tut...
 
Einmal im Jahr passiert es, dass ich meiner Familie verkünde: "Am soundsovielten verreise ich dort und dort hin."
Da meine Familie noch reisemuffliger ist als ich selbst, wünscht sie mir gute Fahrt - und mancher kann sich die Bemerkung nicht verkneifen: "Zieh dich bloß warm an!"
Denn alle wissen, wenn ich mich auf den Weg mache, ob per Bus oder Bahn, droht ein Wettersturz. Ich kann zu Hause bei strahlendem Sonnenschien starten, je näher ich meinem Urlaubsort komme, desto mehr trübt sich der Himmel ein.
Am Ziel eingetroffen, muss ich damit rechnen, dass der Wettergott sämtliche Wetterreste vom vergangenen Jahr auf mich und meine Mitreisenden herab schüttet.

Nehmen wir nur als Beispiel meine dreitägige Busreise nach Berlin im Winter 2001/2002.
Bei der Abfahrt in Lübeck herrschte eitel Sonnenschein, obwohl wir Januar schrieben. Auf dem Wege nach Berlin wurde es von Stunde zu Stunde dunkler. Aus allen Himmelsrichtungen zogen schwarze Schneewolken auf. Als wir im Stau vor Berlin steckten, bagann es zu schneien.
Eines haben diese Bus-Pauschalreisen gemeinsam: das Hotelzimmer ist erst am späten Nachmittag bezugsfertig
Also setzte uns der Busfahrer in Berlin-Mitte ab, im Angesicht des Fernsehturms, mit der frohen Botschaft, wir hätten zwei Stunden zur freien Verfügung und träfen uns an der selben Stelle um 16 Uhr wieder.


Inzwischen hatte ein dichtes Schneetreiben mit orkanartigen Böen eingesetzt. Das Thermometer am Geschenkeladen Unter den Linden zeigte minus 17 Grad.
Alles, was ich an Winterkleidung am Körper trug, schien mir zu wenig, und der Koffer mit dem warmen Pullover befand sich im Reisebus. Ich drückte mich durch einige Buchläden zwischen dem Brandenburger  Tor und Friedrichstraße, bis mir einfiel, dass sich in der Wilhelmstraße ein Blockhaus-Restaurant befand. Bis dorthin kämpfte ich mich durch Sturm und Schnee. An jeder Hausecke schien das Unwetter die Richtung zu wechseln. Jedenfalls biss mich die Kälte ständig ins Gesicht.
 
Im Blockhaus verbrachte ich anderthalb Stunden - bei heißem Tee und einem Spinatauflauf. Zur verabredeten Stunde fanden sich die Fahrgäste im Bus ein, nass und durchfroren. Der Fahrer kutschierte uns zu unserem  ****Hotel in einer Seitenstraße des Kudamms. Wie froh waren wir, unsere warmen Zimmer zu beziehen!
Dieses Zimmer sollte für zwei Tage und Nächte mein Heimathafen werden, denn es
schneite und stürmte munter weiter. Auf den Fußwegen der Nebenstraßen war es spiegelglatt. Ich wagte nur kleine Rutschpartien zum KaDeWe und zu Karstadt, um etwas Warmes in den Magen zu bekommen. An einen ausgiebigen Berlin-Bummel war nicht zu denken.

Am nächsten Morgen fuhren die Mitreisenden zum Messegelände - die Fahrt zur Grünen Woche war inklusive - während ich "rooming-in" pflegte, worum mich die am Abend Heimkehrenden beneideten.

Diese drei Tage, die ich in Berlin verbrachte, waren die kältesten des Winters 2001/02. Bleibt noch zu erwähnen, dass die Temperaturen im heimischen Lübeck nur halb so tief fielen. Und einen Schneesturm gab es hier auch nicht.

Karin Rohner © 2002
Berlin-Hauptbahnhof

Berlin Hauptbahnhof
 - Karin Rohner ©
 Frühling in Berlin - Der neue Hauptbahnhof Berlin

 
Am 29. März 2011 machte ich mich per EC auf den Weg nach Dresden. Es war wohl der älteste Zug dieser Klasse, der auf der Strecke Hamburg - Prag - Budapest verkehrte. Er ratterte und quietschte und ruckelte über die Gleise - und mir kam der Gedanke: "Hoffentlich sind die Radachsen noch ok, bis ich aussteige."

Kurz vor Berlin hatte ich die Nase voll. Die Vorstellung, noch zweieinhalb Stunden in diesem wackligen Abteil zu verbringen, ließ in mir den Entschluss reifen, in Berlin Hauptbahnhof auszusteigen.

Dieser Bahnhof war ein "Trauma" für mich, seit ich mich dort ein Jahr zuvor hoffnungslos verirrte.
Doch weil die Sonne so schön durch die gläsernen Dächer schien, überwand ich meine Scheu und stieg in "Hauptbahnhof tief" aus. Der Bahnhof wirkte noch genauso groß und überwältigend auf mich wie vor einem Jahr.

Nun möchte man meinen, Berlin-Hauptbahnhof, das bedeutet Menschenmassen, Gehetze und Gedrängel. Doch morgens um 10.30 Uhr war das Gegenteil der Fall. Die endlosen Gänge auf unzähligen Etagen waren so gut wie menschenleer. Es gab nicht mal jemanden, den ich nach dem "Weg" hätte fragen können.

So erforschte ich nach und nach alle Ebenen dieser mittleren Großstadt. Ein bisschen schwindlich im Kopf war mir schon. Doch nach einer halben Stunde verlor die Umgebung ihren Schrecken für mich.
Ich weiß jetzt, wo die Züge nach Hamburg bzw. Dresden abfahren, wo es was zu essen gibt, wo das DB-Center ist und vor allem, wo sich der Ausgang Richtung Brandenburger Tor befindet.

Es wird bestimmt nicht mein letzter Besuch im Hauptbahnhof Berlin gewesen sein.

Karin Rohner © 2011
Berlin-Sommerseite

Berlins Sommerseite
2014 - Karin Rohner ©
Berlin Sommer 2014

Drei Tage war ich im sommerlichen Berlin und habe diese Zeit sehr genossen. Mit dem Kopf bin ich noch am Potsdamer Platz. Darum habe ich heute meine alten Berlingeschichten zusammen gesucht und hier veröffentlicht. Mein neuestes Berlin-Abenteuer erscheint demnächst hier.
Berlin schreit nach einer Fortsetzung. Bis dann...
Lieblingsplätze in Berlin

St. Hedwigskathedrale
Das Brandenburger Tor
Raum der Stille im Brandenburger Tor
Berlin Hauptbahnhof
Berlin Potsdamer Platz
Haben Ihnen meine "Berlin-Abenteuer" gefallen? Dann besuchen Sie mich doch bitte auf meiner Reise-Seite"
Ostsee-Leuchtturm.de
Auf Wiedersehen!
Karin Rohner
30. August 2014


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© 2014 by Karin Rohner

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